Hintergrund

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Warum eine Veranstaltung für Frauen in kommunaler Führung?

Frauen sind kommunikativer und netzwerken besser als Männer.
Das stimmt. Aber meist nur im privaten Bereich.

Sobald es jedoch um ihre berufliche Karriere geht, scheinen Frau-en plötzlich alle diese Fähigkeiten vergessen zu haben. Professio-nell vernetzten sie sich schlechter, denn Selbstmarketing gehört leider nicht zu den weiblchen Stärken. Ein wichtiger Grund, warum Frauen seltener in Führungspositionen vertreten sind.¹

Vielleicht auch ein Grund, warum nur sehr wenige Frauen kommu-nale Mandate übernehmen, obwohl an den Hochschulen für Öffen-tliche Verwaltung über 70% Frauen studieren?²

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Kaum 10% der deutschen Landkreise werden von Frauen regiert. Immerhin 15% der Oberbürgermeister sind Frauen, jedoch nur 4% der hauptamtlich tätigen Stadt- und Gemeindeoberhäupter. Aber auch in der Kommunalpolitik allgemein liegt der Anteil weiblicher Amts- und Mandatsträgerinnen weit unter dem Schnitt.³

Frauen sind in der Kommunalpolitik unterrepräsentiert.

An den Wählerinnen und Wählern kann es kaum liegen, denn wenn sich Frauen erst einmal als Kandidatin aufstellen lassen, haben sie sehr gute Chancen, gewählt zu werden².

Warum gibt es dann aber so wenige Kandidatinnen?

Sicherlich sind Beruf und Familie bspw. für eine Bürgermeisterin nicht leicht zu managen, denn eine 60-70 Stundenwoche ohne ge-regelten Feierabend und Wochenende sind sehr familienfeindlich.³ Jedoch unterscheidet sich ein solches kommunales Mandat darin kaum von einem Landtags- oder Bundestagsmandat - und in den dortigen Parlamenten ist der Frauenanteil um einiges höher.

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»Unterrepräsentanz von Frauen in der Kommunalpolitik«, eine Studie der Heinrich Böll Stiftung (2009), zeigt mögliche Gründe auf, warum Frauen kommunal so wenig aktiv sind, wobei auch soziale Aspekte eine Rolle spielen. Als wesentlicher Grund wird hier allerdings angeführt, dass die Parteien in Deutschland - verglichen mit anderen europäischen Ländern - offenbar keinen Anreiz hätten, Frauen für die Ratsarbeit zu gewinnen.

In Frankreich müssen z.B. die Parteien zu Kommunalwahlen 50% Frauen auf den Wahllisten aufstellen, was mittlerweile selbst in kleinen Kommunen problemlos möglich ist. Mangelt es an Kandi-datinnen aus den eigenen Reihen, rekrutiert man dort eben Frauen ohne Parteibuch.*

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Fazit der Studie:

An den Wählerinnen und Wählern liegt es nicht, wenn Frauen im kommunalpolitischen Bereich unterrepräsentiert sind, denn gesell-schaftliche Diskriminierung ist in Deutschland so gut wie passé. Und auch die Frauen sind kaum verantwortlich für die derzeitigen Verhältnisse, sondern überwiegend die Parteien und Fraktionen:

"Dementsprechend könnten gerade Formen eines stärker personen-orientierten Wahlrechts dazu führen, dass die Frauenunterreprä-sentanz reduziert wird, wenn anstelle von »Old-boys-networks« in den Parteien zunehmend die Wählerschaft und Öffentlichkeit tritt." (ebd.)

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Selbst ist die Frau!

Frauen sollten nicht lange auf Quotenregelungen warten, um auch in der Kommunalpolitik voranzukommen - oder um nicht vom »Feuerstuhl« gestürzt zu werden. Sie sollten sich selbst beruflich besser vernetzen. Denn ohne Netzwerk werden sie auf keinen Fall gegen das »Old boys network« bestehen können.

Wichtige Unterstützung geben hierbei auch Veranstaltungen wie stimme.stärken.

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¹ XING-Studie über das Netzwerkverhalten von Frauen und Männern, März 2012
² Prof. Paul Witt, »Der Beruf der Bürgermeisterin/des Bürgermeisters«, 2005
³ Studie »Beruf Bürgermeister/in«, Bertelsmann Stiftung, Feb. 2008
* Parteilose Kandidatinnen und Kandidaten seitens der Parteien aufzustellen bzw. zu unterstützen war in der deutschen Kommunalpolitik lange Zeit nicht sehr verbreitet, gewinnt aber mittlerweile auch hier immer mehr an Bedeutung (prominentestes Beispiel: OB-Wahl in Stuttgart).


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Soziale Identität

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